Die Phasenheuristik des policy cycle: die Konzeption von Lasswell.....
Geht zurück auf Arbeiten von David Easton (1965) und Harold Lasswell (1951) (USA)
Grundlage bildete die Systemtheorie Eastons. Sein Systemmodell enthält verschiedene Funktionsmechanismen (input, throughput, output, feedback) innerhalb einer weiteren Umgebung (ökologischer, biologischer, sozialer, personaler Art).
Lasswell gilt als Vertreter der sogenannten synoptischen Orientierung, innerhalb derer er sowohl normative als auch quantitativ - empirische Elemente miteinander verbindet. Er beschreibt ein beratungsorieniertes Set von Phasen (Informationssammlung, Empfehlung, Präskription, Ratschläge, Anrufung, Anwendung, Zustimmung, Beendigung).
- Der Policy Cycle ist der Versuch, den Policy - Prozeß zu erklären, indem er in folgende Abschnitte aufgeteilt wird:

Die Terminologie der obigen Abbildung folgt im wesentlichen der von Brewer und deLeon (1983), die neben Peters, Palumbo, Jones und Anderson zu den Hauptvertretern des Phasenmodells zählen.
- In den 70er und 80er Jahren gibt es zahlreiche weitere Arbeiten anderer Autoren (s. o.), die prinzipiell hierauf aufbauen, beispielsweise die Verbindung von Phasenmetaphorik mit Lowis Arbeiten über Politikarenen durch Ripley (1985): Unterscheidung von Phasen der Problemidentifizierung, Agendagestaltung, Politikformulierung, Politikimplementation, Policy Evaluation; Situierung der Phasen in einen allgemeinen Kontext, geprägt durch Politische Institutionen, öffentliche Meinung., politische Kultur und andere Bedingungen; Jeder funktionalen Phase ist eine unterschiedliche Zeitphase, der unterschiedliche politische Institutionen und Policy Akteure zugeordnet sind.
...und deren Beurteilung heute:
Phasenaufteilung setzte sich schnell und nachhaltig durch, da sie durch die Unterteilung des komplexen Sachverhaltes neue, überschaubare Zugangswege eröffnete. Es erfolgten zahlreiche Untersuchungen über Themen innerhalb der einzelnen Phasen (Implementationsforschung z. B.). Sie ermöglichte eine problemorientierte Sichtweise, die nicht nur auf die Rolle politischer und öffentlicher Institutionen festgelegt ist, sondern den Policy- Prozeß in den Vordergrund stellt.
Die Gesamtbeurteilung der verschiedenen Phase und deren gegenseitiger Beeinflussung fördert eine, von Lasswell geforderte, multidisziplinäre Vorgehensweise der Politikwissenschaften.
Das Modell erlaubt es, bis dahin häufig vernachlässigte Aspekte wie "Soziale Norm, "persönliche Werte, Wertmaßstäbe" ("social norms and personal values") zu berücksichtigen.
- Kritik Nakamuras
(1980): Phasenheuristik kann nicht als Paradigma bewertet werden, wenn die einzelnen Phasen nicht überall präzise definiert sind.
- Durch die Konzentration auf einzelne Phasen, wird der Gesamtprozeß vernachlässigt. Der Policy Prozeß wird auf einzelne Aktivitätsphasen reduziert.
- Das Modell impliziert eine nicht vorhandene Linearität; die einzelnen Phasen laufen in der Realität nicht hintereinander sondern oft zeitgleich bzw. nebeneinander ab, Feedback Reaktionen bewirken Änderungen oder auch Zurückkehren zu früheren Phasen
- Sabatier kritisiert
: das Modell ist kein Kausalmodell, es ist nicht erkennbar, wie eine Phase zur nächsten führt. Es ist ungeeignet, empirische Hypothesen zu überprüfen.
- Er bemängelt weiterhin die Ungenauigkeit der Beschreibung ("descriptive inaccuracy") in Bezug auf die Abfolge der einzelnen Phasen (s. o.); Darüber hinaus werde die Analyse nur eines angenommenen policy circle der Komplexität (z. B. die Beziehung von auf verschiedenen politischen Ebenen gleichzeitig ablaufender Zyklen) nicht gerecht.
- Weiterhin impliziere es einen "Top down Mechanismus" ("built-in legalistic, top-down focus").
- Das Modell verleitet dazu, den Analyseschwerpunkt auf die Evaluationsphase und die nachträgliche Betrachtung der Wirkungen eines Policy Prozesses zu beschränken. .
Zur Theoriebildung scheint das Modell aus o. g. Gründen wegen methodischer Schwächen nur bedingt geeignet. Versteht man es als jedoch als "heuristisches" Modell, kann es den Anspruch einer "vorläufigen Annahme zum Zweck des besseren Verständnis eines Sacherhaltes" sicherlich erfüllen. Ähnliches gilt für die praktische Verwertbarkeit: Seine Umsetzung als "Problemlösungsstrategie" (besonders in den Verwaltungswissenschaften) zeigt seinen Wert für relativ "überschaubare" Problemkomplexe. Länger andauernde und komplexere Phänomene sind auf diese Weise wohl nicht vollständig erfaßbar.
Literatur
Deleon, P. The Stages Approach to the Policy Process. What Has It Done? Where Is It Going? In: Sabatier, P. A Theories of the Policy Process. Boulder, Colorado; Oxford: Westview Press
Sabatier, P. A. (1993) Advocacy Koalitionen, Policy Wandel und Policy Lernen: Eine Alternative zur Phasenheuristik. In Heritier, A. (Hrsg.). Policy Analyse. Kritik und Neuorientierung. PVS Politischen Vierteljahresschrift Sonderheft 24 / 1993. 34. Jg. Opladen: Westdeutscher Verlag. (S.117 148)
Sabatier, P. A. (1999) The Need for Better Theories. In Sabatier, P. A Theories of the Policy Process. Boulder, Colorado; Oxford: Westview Press
Schubert, K. (1991) Politikfeldanalyse. Eine Einführung. In: von Alemann, U., Kißler, L. Grundwissen Politik. (Band 6). Opladen: Leske + Budrich.
Windhoff Héritier, A. (1987) Policy Analyse. Eine Einführung. Frankfurt, New York: Campus Verlag. (10 13)