Ruhr-Universität Bochum
Fakultät für Sozialwissenschaft
WS 2001/2002 Grundstudium
Übung: Einführung in die Politikwissenschaft
Dozent: Dr. Nils Bandelow

Referentin: M. Espeloer

13.11.2001

Inhalt:
Tugendbegriff bei Aristoteles
Thesen zu der Frage: Ist Helmut Kohl ein tugendhafter Politiker im Sinne von Aristoteles?
 

Tugendbegriff bei Aristoteles

Ausgehend von der Suche nach Glückseligkeit ("das höchste Gut nach dem alle Menschen streben"), befaßt sich Aristoteles zunächst mit der Seele. Von dort gelangt er zu den Tugenden des Menschen denn, das Glück erreicht der Mensch nur in Anwendung seiner Tugenden. "Da die Glückseligkeit eine Tätigkeit der Seele gemäß der vollkommenen Tugend ist, so haben wir nun nach der Tugend zu fragen", (Reader, S. 29).
 
 

Tugendarten:

Zu 1.:

Die Verstandestugenden sind hierarchisch gegliedert, wichtigste ist die Weisheit. Sie werden erlernt, bzw durch Lehre gebildet.
 

Zu 2.:

Charaktertugenden, sie geben dem Willen die Richtung auf das Gute.
Sie sind angeboren, müssen jedoch immer weiter ausgebildet werden.
 

Tugendhaftigkeit oder Tüchtigkeit (griechisch: arete) gehört zu der höchsten Fähigkeit des Menschen, mit ihnen umschreibt Aristoteles "das Tätigsein der Seele im Sinne der ihr wesenhaften Tüchtigkeit",(Grundkurs Philosophie, G. Gerhardt, S. 38).

Tugendhaftigkeit ist, nach Aristoteles, besonders wichtig für Menschen in Führungspositionen. "Es scheint sich auch der wahrhafte Staatsmann am allermeisten um sie zu bemühen. Denn er will, daß die Bürger tugendhaft werden und den Gesetzen gehorsam [...]", (Reader, S. 29) .
 
 
 
 

Literatur:

Reader: Aristoteles: Die Nikomachische Ethik (Auszüge)

Gerd Gerhardt :Die höchste Form des Menschsein, S.38, in: Grundkurs Philosophie, Band 2, 1. Auflage 1992, Bayerischer Schulbuch-Verlag , München
 
 
 
 
 

Thesen zu der Frage:

Ist Helmut Kohl ein tugendhafter Politiker im Sinne von Aristoteles?
 
 

1. Die Wiederherstellung der deutschen Einheit galt dem ausschließlichen Nutzen des deutschen Volkes und ist somit als tugendhaft zu bezeichnen.

2. Die Schwarzgeldkonten machten viele reich und glücklich, sie zu dulden ohne nach der eigenen Bereicherung zu trachten ist tugendhaft.

Begründung:

Aristoteles wägt Tugendhaftigkeit nach der

Besitztum zu vermehren benötigt Klugheit und Wissen.
Sich nicht zu bereichern Besonnenheit.
Seinem Auftreten und Handeln nach zu schließen, machte Kohl stets einen besonnen Eindruck.
Bislang konnte ihm in der Schmiergeldaffäre nichts nachgewiesen werden.