Dr. Bandelow
Referenten : Verena Putzek / Andreas von der Grinten
Wintersemester 2001 /2002
Gilt das von Olson beschriebene Paradox des kollektiven
Handelns für religiöse Gruppen ?
"Das Paradox ist daher, dass (in Abwesenheit von besonderen Vorkehrungen oder Umständen, denen wir uns später zuwenden werden ) große Gruppen nicht im Gruppeninteresse handeln werden, zumindest nicht dann, wenn sie aus rationalen Individuen bestehen."
Die Grundannahme bezieht sich auf die Existenz einer durch heterogene Individuen zusammengesetzten Großgruppe.
Dabei geht Olson vom Menschenbild des Homo oeconomicus aus, der sich durch :
"Ein typisches altruistisches und rationales Individuum von der oben beschriebenen Art wird keine beträchtlichen freiwilligen Leistungen zur Schaffung eines kollektiven Gutes für eine große Gruppe beisteuern."
Der Homo oeconomicus betrachtet jegliche Interaktion mit Guppen oder Individuen in einer Kosten - Nutzen Rechnung,wobei das Streben nach einer Nutzenmaximierung eindeutig altruistische Handlungen minimiert oder gänzlich ausschließt,somit nur der Gewinn für weitere Handlungen interessant ist.
Erschließungsbegriffe
kollektive Güter
Materielle und/oder immaterielle Güter die der Gesamtheit der Gruppe zur Verfügung gestellt werden , wobei diejenigen die einen geringen oder keinen Beitrag zur Erlangung des Gutes geleistet haben , von deren Nutzung nicht ausgeschlossen werden können.
private Güter
materielle und / oder immaterielle Güter,die nur denen zur Verfügung gestellt werden, die auch zur Erlangung des Gutes einen Beitrag geleistet haben. (Gegensatz von kollektiven Gütern)
Trittbrettfahrer :
Mitglieder einer Gruppe,die keinen Beitrag zur Schaffung eines materiellen und / oder immateriellen Kollektivgutes leisten, aber trotzdem einen Vorteil oder Profit durch dieses Gut haben.
Im Bezug auf die Fragestellung vergleichen wir das Paradox des kollektiven Handelns mit der Römisch - Katholischen Kirche und möchten hierzu einige aktuelle Beispiele nennen :
Abschließend läßt sich sagen , daß das Paradox
des kollektiven Handelns auch auf religiöse Gruppen zutrifft.
Auswahlliteratur
Olson, Mancur: Die Logik des kollektiven Handelns,4. Aufl., Mohr ,Siebeck, Tübingen 1998.