Einführung in
die Politikwissenschaft, Wintersemester 2001/2002, Stichworte zum Text
von Rousseau (Nils Bandelow)
Zeitlicher Kontext bei Rousseau
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frühbürgerliche Gesellschaft
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Herkunft aus Genfer Kleinbürgermileu (--> evtl. Gleichheitsideal)
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geboren in Genf (Schweiz, --> evtl. daher Ideal des Kleinstaates)
Problemstellung und Staatszweck bei Rousseau
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Problemstellung: "Frei wird der Mensch geboren und überall ist er
in Fesseln"
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Fragestellung des Gesellschaftsvertrages: "Wie können wir eine echte
und wahrhafte menschliche Gemeinschaft aufbauen, ohne damit den
Übeln und der Verderbnis der konventionellen Gesellschaft zu
verfallen?" (zitiert nach Ernst Cassirer)
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Staatszweck: Frieden und Freiheit, außerdem rechtliche und
moralische Gleichheit zur Überwindung der physischen Ungleichheit
Methode Rousseaus
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Rousseau geht nach eigenem Bekunden aus von den Menschen "wie sie sind"
und von den Gesetzen "wie sie sein können". Er lehnt es ab, bei einer
Analyse der menschlichen Natureigenschaften von dem Menschen in der modernen
Gesellschaft auszugehen, da dieser von den Einflüssen der Gesellschaft
und nicht von seiner Natur geprägt sei. Um den Menschen "wie sie sind"
studieren zu können, greift er auf Reiseliteratur aus Afrika zurück,
da er da den Menschen in seiner vorgesellschaftlichen Art meint studieren
zu können.
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Verbindung von erziehungswissenschaftlichen (Menschenbild) und staatstheoretischen
Überlegungen
Menschenbild Rousseaus
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von Natur aus zu Vernunft und Unvernunft fähig, im Unterschied zum
Tier verfügt er über Willensfreiheit und ist daher in der Lage,
sich höher zu entwicken (Gabe der Perfektabilität (perfectibilité),
d. h. der Entwicklung über den von der Natur gegebenen Zustand)
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Der Mensch verfügt über einen natürlichen Selbsterhaltungstrieb
(amour de soi-même) und die natürliche Fähigkeit,
Mitleid (commisération) zu empfinden.
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Unvernunft ist nicht angeboren, sondern wird durch negative Einflüsse
der Gesellschaft erzeugt (Mensch ist von Umwelt/Erziehung geprägt)
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Der Mensch ist zwar von Natur aus physisch ungleich (Gegensatz zu
Hobbes), die moralische und politische Ungleichheit im bürgerlichen
Staat hat aber damit nichts zu tun und wird gesellschaftlich erzeugt (keine
"natürlichen" Sklaven wie bei Aristoteles)
Ideale Staatsstruktur bei Rousseau
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erste Bedingung: Kleinstaat
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zweite Bedingung: Homogene Gesellschaft
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ideale Staatsstruktur: Direkte Demokratie (Polismodell/Urversammlung)
Interesse und Gemeinwohl bei Rousseau
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Der Interessenbegriff Rousseaus ist komplex: Interessen können Interessen
einzelner oder Interessen von Gruppen (kleinen Gesellschaften) sein.
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Das Gemeinwohl zielt bei Rousseau auf die Freiheit, nicht nur auf Sicherheit
wie bei Hobbes aber auch nicht unbedingt auf Glückseligkeit wie bei
Aristoteles.
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In der bürgerlichen Gesellschaft: Konflikt zwischen egoistischen Einzelinteressen
(volonté particulière basierend auf der amour propre/Eigensucht;
die Summe der egoistischen Einzelinteressen entspricht inhaltlich dem Willen
aller/volonté de tous) und dem eigentlichen Allgemeinen Willen (volonté
generale, entspricht inhaltlich dem unverfälschten Selbsterhaltungstrieb
der Individuen/amour des soi-même)
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Rousseau will durch negative Erziehung Einzelinteressen und Gemeinwohl
angleichen
Politikbegriff Rousseaus
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kein expliziter Politikbegriff; implizit: Politik wird nicht als Machtkampf,
sondern als deliberatives Streben nach dem Gemeinwohl verstanden
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Orientierung an Diskursen (also insgesamt etwa: normativ-diskursiver Politikbegriff)