Nils Bandelow: Übung: Einführung in die Politikwissenschaft, Ruhr-Universität Bochum, WS 2001/2002

Stichworte zum Textausschnitt von Fritz Scharpf (Inhalte der Folien und einige Ergänzungen)

Wissenschaftlicher und politischer Hintergrund des Scharpf-Textes

Ansprüche der komplexen Demokratietheorie


Politikbegriff Scharpfs


Methodisches Vorgehen von Scharpf


Staatszweck und Struktur eines idealen Staates nach Scharpf


Zentrale These des Textes von Scharpf

Der Text argumentiert nicht einseitig auf eine Einzelthese hin oder geht von einer Einzelthese aus. Es ist daher – je nach eigenem Hintergrund – möglich, unterschiedliche Thesen in den Mittelpunkt zu stellen. Ein Vorschlag ist: Scharpf geht davon aus, dass vor dem Hintergrund theoretischer Überlegungen der ökonomischen Theorie der Politik (Olson) die anspruchsvollen Ziele normativer Demokratietheorien (etwa der von von Fraenkel aber auch etwa von Rousseau) nicht zu erreichen sind. Unter Berücksichtigung der analytischen Überlegungen kann aber das gesellschaftliche und politische System so weiterentwickelt werden, dass es den komplexen Ansprüchen der verschiedenen normativen Demkratietheorien möglichst weitgehend gerecht wird.
 

Zusammenhang von Interesse und Gemeinwohl bei Scharpf

  1. Beteiligungsproblem (Input): Rationale und institutionelle Ausgrenzung von Teilen der Bevölkerung aus dem Entscheidungsprozess
  2. Durchsetzungs- und Planungsproblem: Entscheidungen im Sinne des Gemeinwohls sind durch Einzelinteressen zu blockieren
  3. Theoretisches Problem (Input): Wer ist das Volk? (Vielfaches Problem, zunächst muss der Tatsache Rechnung getragen werden, dass unterschiedliche Individuen/Gruppen von politischen Entscheidungen verschieden betroffen sind. Ja/Nein Bekundungen bei Abstimmungen sind zudem blind für unterschiedliche Grade von Präferenzen. Bei langfristigen Planungen ist außerdem eine Entscheidung der heutigen Menschen für zukünftige Generationen unvermeidbar.)
  4. Theoretisches Problem (grundsätzlich) Vielzahl von demokratischen Zielen, die in einer komplexen Theorie Berücksichtigung finden sollen.


Insgesamt ist Scharpf bemüht, ein komplexes Verständnis von Interessen- und Gemeinwohlbegriffen zu Grunde zu legen.

(Ausgewählte) Bezüge zu den Klassikern

Letztlich stellt Scharpfs Aufsatz also einen Versuch dar, auf Basis der (1970) aktuellen Erfahrungen die jeweils wichtigsten Elemente der verschiedenen Demokratietheorien zusammenzuführen und im Hinblick auf eine praktische Lösung hin zu denken.
 

Mögliche Kritik an Scharpfs Modell

Literaturhinweise zu Scharpf:

Eine kurze Diskussion der Scharpf-Thesen findet sich bei Schmidt, Manfred G., 1995: Demokratietheorien. Opladen: Leske + Budrich (UTB 1887), Seiten 204-214 (steht im Handapparat, es gibt aber auch neuere Auflagen). – Im Handapparat findet sich auch der komplette Text der Antrittsvorlesung von Scharpf.

Vorschlag für ein logisches Bild zu Scharpfs komplexer Demokratietheorie (ACHTUNG: Das Bild ist nur in der Word-Version vollständig)
 
KOMPLEXE DEMOKRATIETHEORIE
NORMATIVE ELEMENTE
 
NORMATIVE ELEMENTE


Partizipationspostulat
 
Voraussetzungen für
Realisierbar durch
 
Zwei-Parteien-System
übergeordnete politische Ebene
Axiom

Eigenwert menschlicher Selbstentfaltung und Selbstbestimmung

 
  1. Politische Handlungs- und Organisationsfähigkeit
  2. Verbreiterung der Rekrutierungsbasis des Elitensystems
  3. Übergeordnete politische Ebene: höhere Entscheidungsbefugnis
  4. Übergeordnete politische Ebene: höheres Wertberücksichtigungspotential
 
  • zentralisiertes politisches System
  • "aktive Öffentlichkeit"
  • direktes Mandat durch Wahl