Stichworte zu den Textausschnitten von Aristoteles
Nils Bandelow, Unterlagen zur Übung: Einführung in die Politikwissenschaft
 

Bild von Aristoteles
 

Zeitlicher Kontext der Vorlesungsunterlagen von Aristoteles


Politikbegriff bei Aristoteles


Staatszweck bei Aristoteles

Staatsformen bei Aristoteles
 
   
Zahl der Herrschenden
   
einer
wenige (Minderheit)
viele (Mehrheit)
Tugendhaftigkeit der Herrschenden (Ziel der Vefassung ist das Gemeinwohl und nicht der eigene Nutzen der Herrschenden)  

ja

1
Monarchie


2
Aristokratie


3
Timokratie
(Politie)
 
nein
6
Tyrannis


5
Oligarchie 

 



 

4
Demokratie

 



 

(Achtung: Die Begriffe wechseln bei verschiedenen Aristoteles- Aufzeichnungen und Übersetzungen, Begriffe oben sind aus dem Reader)

Bei besonderer Vortrefflichkeit eines einzelnen ist es nach Aristoteles gerecht, wenn dieser alleine herrscht (Monarchie als theoretisch beste Staatsform). Die Monarchie ist aber nicht stabil: Sie ist immer mit dem Risiko eines Aufstandes der Beherrschten und damit eines Bürgerkriegs und der Entartung zur Tyrannis verbunden. Auch die Aristokratie als theoretisch zweitbeste Staatsform ist nicht stabil: Sie kann durch die "Schlechtigkeit der Regenten" (Reader S. 35) in die Oligarchie entarten oder  zum Aufstand der Vielen führen und damit zur Herrschaft der Armen (Demokratie) entarten - die dann wiederum zur Tyrannis verkommen kann (dies wird so nicht in dem Reader-Ausschnitt dargestellt). Obwohl also die Monarchie die theoretisch beste Staatsform ist, empfiehlt Aristoteles Verfassungen, die durch Mitte, Maß und Mäßigung geprägt sind: Eine entsprechende Staatsform ist eine Mischform aus der Herrschaft der Reichen (eigentlich: Oligarchie, in dem Readerausschnitt wird die Timokratie dem Nahe gebracht) und der Herrschaft der Armen (Demokratie) mit einem stabilen Mittelstand. Einer solchen Mischverfassung entspricht in der Kategorisierung die Politie. Während also gemessen an dem theoretischen Kriterium der Orientierung am Gemeinwohl die Monarchie die beste Staatsform ist, ist gemessen am praktischen Kriterium der Stabilität die Politie die empfehlenswerte Verfassung. [Die Demokratie ist dagegen als Herrschaft der Armen eine entartete Verfassung, die nicht am Gemeinwohl orientiert ist. Sie bietet als Herrschaft der Armen ("Pöbelherrschaft") keinen Ausgleich zwischen Armen und Reichen und ist (daher) nicht stabil. Sie kann zu Bürgerkriegen führen und letztlich in eine Tyrannis übergehen.]
 

Tugendbegriff bei Aristoteles

Tugend bezeichnet bei Aristoteles sowohl Vorzüge der Vernunft als auch Vorzüge des Charakters (vgl. Reader S. 30). Die verstandesmäßigen (dianoetischen) Tugenden (der Vernunft) umfassen die theoretische und die praktische Vernunft. Theoretische Vernunft umfasst Wissen, Vernunft und Weisheit; praktische Vernunft umfasst Kunst und Klugheit. Die Klugheit (das Gute zu erkennen) ist die wichtigste dianoethische Tugend.
Ethische Tugenden orientieren sich an dem Grundsatz des Ausgleichs, der Mitte zwischen den Extremen, der Maßhaltigkeit und Mäßigung. Die höchste ethische Tugend ist die Gerechtigkeit (als Mitte zwischen Unrechttun und Unrechtleiden). Weitere ethische Tugenden sind Besonnenheit, Tapferkeit und Großzügigkeit. Ethische Tugenden sind zwar wie dianoetische Tugenden von Natur aus dem Menschen veranlagt, sie müssen aber in der Gemeinschaft ausgebildet werden.
 

Menschenbild bei Aristoteles

Der Polis-Bürger ist von Natur aus: Es gibt eine natürliche Ungleichheit, Sklavenhaltung wird als legitim angesehen
 
 

Interesse und Gemeinwohl bei Aristoteles

Methode von Aristoteles

Zur Bewertung von Aristoteles als Demokratietheoretiker aus Sicht des heutigen deutschen politikwissen­schaftlichen Mainstreams

-        Demos- Begriff: Eng, mittel oder weit?

eng

-        Oppositions- oder Kontrollchance erfasst?

z. T.

-        Ist Zügelung des Souveräns vorgesehen?

Ja

-        Erörterte Konfliktregelungen: Mehrheit (M), Konkordanz (K), Hierarchie (H), Einstimmig­keit (E)

M

-        Theorie: normativ oder empirisch

Empirisch+ normativ

-        Theorie: statisch oder dynamisch

dynamisch

-        Theorie: input- und outputorientiert

Input + Output

-        Basiert Theorie auf Vergleich?

Ja

-        Werden Genese und Funktionserfordernisse der Demokratie analysiert?

Nein/Ja

-        Werden Bedingungen des Demokratie­zusam­men­bruchs erkundet?

z. T.

-        Werden Leistungen und Probleme der Demo­kratie erfasst?

Ja

-        Theorie testbar?

Gut

-        Potentielle Reichweite der Theorie

Sehr Groß

-        Leistungskraft der Theorie

Groß

 Aus: Schmidt, Manfred G., 2000: Demokratietheorien. Opladen: Leske + Budrich, S. 544-545