Stichworte zum Textausschnitt von Mancur Olson
Nils Bandelow, Unterlagen zur Übung: Einführung in die Politikwissenschaft, WiSe 2002/2003

Bild von Olson

Wissenschaftlicher und politischer Hintergrund des Olson-Textes


Menschenbild Olsons
Homo oeconomicus:  utilitaristisch, zweckrational, kein partizipatorischer (oder "kantischer") Altruismus (vgl. Fußnote 3 auf S. 118-119)
 

Methodisches Vorgehen von Olson

Zentrale Begriffe der Neuen Politischen Ökonomie (NPÖ) Übersicht: Was sind kollektive Güter? Klassifikation nach Ostrom/Ostrom (1977) und Beispiele
 
 
Rivalitätsprinzip gilt
Rivalitätsprinzip gilt nicht
Ausschlussprinzip gilt 
(kaum Kosten beim Ausschluss)
Private Güter:
z. B. Schokolade
Zollgüter
z. B. Kabelfernsehen
Ausschlussprinzip gilt nicht 
(zumindest hohe Kosten beim Ausschluss)
"Common-Pool Resources": 
z. B. Bewässerungssystem
Öffentliche (kollektive) Güter
z. B. öffentlicher Park
Vgl. Braun 1999: 55.


Zentrale These des Textes
Die Annahme, dass eine Gruppe mit einem gemeinsamen Interesse tatsächlich immer für dieses eintritt, ist falsch. Individuen, die ein übereinstimmendes Interesse an der Bereitstellung eines kollektiven Guts haben, können jeweils davon profitieren, sich nicht an den Kosten für die Bereitstellung des Gutes zu beteiligen.
Die Erzeugung von Kollektivgütern ist besonders unwahrscheinlich, wenn

Politikbegriff Olsons Staatszweck und Struktur eines idealen Staates nach Olson Zusammenhang von Interesse und Gemeinwohl bei Olson


Gegenüberstellung von Vorzügen und Grenzen des Ansatzes von Olson (Auswahl)
 
Vorzüge
Kritik und Probleme
  • hoher Informationsgehalt (klare Thesen, welche auf wenigen Annahmen beruhen, große Reichweite der Thesen
  • gute Überprüfbarkeit der Schlussfolgerungen
  • zahlreiche Übereinstimmungen empirischer Beobachtungen mit den Annahmen und Schlussfolgerungen
  • in sich schlüssige (logische) Argumentation
  • Möglichkeit zur Entwicklung contra-intuitiver Hypothesen
  • alle alternativen Theorien haben (auch) wesentliche Schwächen
  • normative Kritik: Es gibt die Befürchtung, dass erst die Annahme eines Homo oeconomicus diesen schafft bzw. solches Verhalten bestärkt und legitimiert wird
  • wissenschaftstheoretische Kritik: Trennung von Subjekt und Objekt der Sozialforschung wir als unmöglich angesehen, wissenschaftliche Forschung ist dann sozial bestimmt, die Annahme einer objektiven Wahrheit unhaltbar
  • theoretische Kritik: wertrationales, traditionales, emotionales und dramaturgisches Handeln wird vernachlässigt, Wandel von Präferenzen (Lernen, Argumentieren) wird ausgeblendet, es ist umstritten, ob sich "Nutzen" quantifizieren lässt
  • empirische Probleme: Es gibt mehr kollektive Güter, als nach Oson angenommen werden müsste. Außerdem gibt es eine Reihe andere möglicher Gründe für das Nichteintreten in eine Organisation (Unkenntnis von der Existenz des Verbandes bzw. der Eintrittsprozeduren, begrenztes Haushaltsbudget, Unzufriedenheit mit einem Teil der Ziel oder einzelnen Repräsentanten der Organisation)

Bezüge zu anderen Texten des Readers

Literaturhinweise zu Olson (Sekundärliteratur): Braun, Dietmar, 1999: Theorien rationalen Handelns in der Politikwissenschaft. Eine kritische Einführung. Opladen.

Lawson, Tony, 1997: Economics and Reality. London.

Lehner, Franz, 1981: Einführung in die Neue Politische Ökonomie. Königstein/Ts.

Ostrom, Vincent/Ostrom, Elinor, 1977: Public Goods and Public Choices, in: Savas, E. S. (Hrsg.): Alternatives for Delivering Public Services: toward improved Perfomance. Boulder.

Schubert, Klaus (Hrsg.), 1992: Leistungen und Grenzen politisch-ökonomischer Theorie. Eine kritische Bestandaufnahme zu Mancur Olson. Darmstadt.

weitere Hinweise in Artikeln politikwissenschaftlicher Lexika und Handwörterbücher, Stichworte: Rational Choice, Neue Politische Ökonomie