Stichworte zum Textausschnitt von Max Weber
Nils Bandelow, Unterlagen zur Übung: Einführung in die Politikwissenschaft

Bild von Max Weber (externer Link)
 

Zeitlicher Kontext des Weber-Vortrags „Politik als Beruf“

Zum persönlichen Anliegen von Max Weber


Webers Politikbegriff

„‘Politik‘ würde also für uns heißen: Streben nach Machtanteilen oder nach Beeinflussung der Machtverteilung, sei es zwischen Staaten, sei es inerhalb eines Staates zwischen den Menschengruppen, die er umschließt“ (Reader S. 7).

---> realistischer  Politikbegriff (Konzentration auf Streben nach Machtanteil oder Beeinflussung der Machtverteilung, andere Gesichtspunkte (etwa Gemeinwohl/gutes Leben) werden nicht einbezogen, da sie

 Webers Staatsverständnis

„Staat ist diejenige menschliche Gemeinschaft, welche innerhalb eines bestimmten Gebietes das Monopol legitimer physischer Gewaltsamkeit für sich (mit Erfolg) beansprucht.“ (Reader S. 7)

ständisch gegliederter Verband (Vorläufer des modernen Staates): „(Ein) politischer Verband, bei dem die sachlichen Verwaltungsmittel ganz oder teilweise in der Eigenmacht des abhängigen Verwaltungsstabes sich befinden“ (Reader S. 9)

moderner Staat: „anstaltsmäßiger Herrschaftsverband ..., der innerhalb eines Gebietes die legitime physische Gewaltsamkeit als Mittel der Herrschaft zu monopolisieren mit Erfolg getrachtet hat und zu diesem Zweck die sachlichen Betriebsmittel in der Hand seienr Leiter vereinigt, die sämtlichen eigenberechtigten ständischen Funktionäre aber, die früher zu Eigenrecht darüber verfügten, enteignet und sich selbst in seiner höchsten Spitze an der deren Stelle gesetzt hat“ (Reader S. 10).
 

Macht und Herrschaft nach Max Weber

Macht (nicht im Reader): „jedwede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht.“

Herrschaft (nicht im Reader definiert): „Chance, für einen Befehl bestimmten Inhalts bei angebbaren Personen Gehorsam zu finden“
 

Herrschaft ist ein Spezialfall von Macht. Herrschaft ist dauerhaft angelegt. Damit sie bestehen kann, ist Legitimität notwendig:
 

Legitimität: „innere Rechtfertigungen“ (Reader S. 7)
 

Legitime Herrschaft setzt also voraus, dass sie von den Beherrschten als gerechtfertigt empfunden wird.
 
 

Die drei idealtypischen Legitimitätsgründe einer Herrschaft sind:

  1. traditionale Herrschaft (Reader S. 7): "Autorität des ""ewig Gestrigen": der durch unvordenkliche Geltung und gewohnheitsmäßige Einstellung auf ihre Innehaltung gehiligten Sitte".
  2. charismatische Herrschaft (Reader S. 7-8): "Autorität der außteralltäglichen persönlichen Gnadengabe (Charisma), die ganz persönliche HIngabe und das persönliche Vertrauen zu Offenbarungen, Heldentum oder andere Führereigenschaften des einzelnen ..."
  3. Herrschaft kraft "Legalität" (Reader S. 8): "kraft des Glaubens an die Geltung legaler Satzung und der durch rational geschaffene Regln begründeten sachlichen "Komptenz" ..."
Idealtypus (nicht im Reader definiert): "wird gewonnen durch einseitige Steigerung eines oder einiger Gesichtspunkte und durch Zusammenschluß einer Fülle von diffus und diskret, hier mehr, dort weniger, stellenweise gar nicht vorhandener Einzelerscheinungen, die sich jenen einseitig herausgehobenen Gesichtspunkten fügen, zu einem in sich einheitlichen Gedankengebilde." Idealtypen erfüllen u. a. folgende Funktionen: reine Konstruktion von Zusammenhängen, Anregung zur Hypothesenbildung, Beitrag zur Vermittlung von Erklären und Verstehen
 
 

Gesinnungsethik und Verantwortungsethik


Von welchem Politikerbild geht Weber aus?

Welchen Staatszweck legt der Text zugrunde? Wie konzipiert der Autor den idealen Staat? Wie ist der Autor vorgegangen, um sein Modell eines idealen Staates zu entwerfen? (Methode)

Weber entwirft eigentlich keinen "idealen Staat", da er werturteilsfrei forscht. Die wichtigsten Merkmale seine Methode ist sein verstehender (nicht erklärender) Ansatz und damit verbunden sein Arbeiten mit Idealtypen.

Inwiefern lassen sich die Methoden und Aussagen des Textes auf die Gegenwart übertragen?

Gibt es aus heutiger Sicht Kritikpunkte an der Vorgehensweise oder den Thesen des Textes?


Literaturhinweise:

Apel, Karl-Otto/Kettner, Matthias (Hrsg.): Mythos Wertfreiheit. Neue Beiträge zur Objektivität in den Human- und Kulturwissenschaften. Frankfurt a.M./New York: Campus.

Weber, Max, 1919: Wirtschaft und Gesellschaft. Tübingen: Mohr (Ausgabe von 1990).

Weiterhin Artikel zu Max Weber in den Sammelwerken zu Klassikern des politischen oder soziologischen Denkens.