Stichworte zum Text von Fraenkel
(Nils Bandelow, WS 2000/01)

Einordnung des Fraenkel-Textes in den Zeitrahmen

Methodisches Vorgehen von Fraenkel

Staatsszweck und Struktur eines idealen Staates nach Fraenkel

Zentrale These des Textes

Die Bundesrepublik Deutschland weist Strukturdefekte ihrer Demokratie auf, die darauf beruhen, dass der Pluralismus unterentwickelt ist. Gemessen an einer modernen Konkurrenzdemokratie der Demokratie mangelt es an einer "Politisierung" von Wählern und an inhaltlichen Konflikten zwischen den Parteien und Interessengruppen. Während die Verfassungstheorie und deren institutionelle Umgestaltung (Verfassungssoziologie) der von Fraenkel geteilten Konkurrenztheorie der Demokratie entsprechen, finden sich in der Realität der deutschen Demokratie Elemente, die der von Fraenkel abgelehnten französischen Konsenstheorie der Demokratie entsprechen. Die Verfassungsideologie orientiert sich an der unrealistischen französischen Vorstellung eines einheitlichen Volkswillens. Dieses Defizit basiert auf den Erfahrungen der NS-Zeit und Konstruktionsmängeln des politischen Systems. Es muss aber überwunden werden, da es keine demokratische Alternative zum Pluralismus gebe, weil ein einheitlicher Allgemeinwille nicht vorhanden sei. Fraenkel kritisiert, das in der Demokratie der BRD die Differenz der Meinungen fehlt - alle schwimmen mit, Wahlen sind Schönheitswettbewerb, es gibt keine Alternativen mehr (autokratischer Massenstaat).

 

Zusammenhang von Interesse und Gemeinwohl bei Fraenkel

Inwiefern trifft die Kritik Fraenkels auf die heutige Bundesrepublik zu?

Zentrale Elemente der Fraenkelschen Pluralismustheorie

"Der Pluralismus ist die Staatstheorie des Reformismus. Er lehnt implizit die These ab, daß der Antagonismus zwischen Kapital und Arbeit, dessen Existenz er nicht in Zweifel zieht, mit geschichtlicher Notwendigkeit dazu führen muß, daß er in der klassenlosen Gesellschaft ‘aufgehoben’ wird. Der Pluralismus erblickt in diesem Antagonismus vielmehr eine besonders markante und politisch überragend bedeutsame Erscheinungsform einer die gesamte industriele Massengesellschaft durchziehenden Kette von Interessengegesätzen, die nur dann nicht zur Desintegration von Staat und Gesellschaft zu führen geeignet sind, wenn den Verbänden nicht verwehrt ist, sie offen auszutragen und dem Staat die Möglichkeit gewährt ist, bei ihrer - sei es kurzfristigen, sei es langfristigen, sei es kontinuierlichen - Schlichtung mitzuwirken." (Ernst Fraenkel in: Reformismus und Pluralismus, Hamburg 1973)

Literaturtips zu Fraenkel

Ballestrem, Karl Graf 1988: Klassische Demokratietheorie - Konstrukt oder Wirklichkeit? In: Zeitschrift für Politik, 35. Jg., Nr. 1, S. 33-56.

Brünneck, Alexander von/Buchstein, Hubertus/Göhler, Gerhard (Hrsg.), 1999ff.: Fraenkel, Ernst - Gesammelte Schriften. Sieben Bände. Kosten jeweils über 100,-DM. Baden-Baden: Nomos.

Buchstein Hubertus 1992: Politikwissenschaft und Demokratie. Wissenschaftskonzeption und Demokratietheorie sozialdemokratischer Nachkriegspolitologien in Berlin. Baden-Baden: Nomos.

Doeker, Günther/Steffani, Winfried (Hrsg.) 1973: Klassenjustiz und Pluralismus. Festschrift für Ernst Fraenkel zum 75. Geburtstag am 26. Dezember 1973. Hamburg: Hoffman und Campe (Sowi-Bibl.: B2E-157)

Eisfeld, Rainer 1973: Pluralismus zwischen Liberalismus und Sozialismus. Stuttgart u.a.

Fraenkel, Ernst 1973: Reformismus und Pluralismus. Hamburg: Hoffman und Campe. (Sowi-Bibl.: Q2-1935)

Oberreuter, Heinrich (Hrsg.) 1980: Pluralismus. Grundlegung und Diskussion. UTB 925. Opladen: Leske + Budrich. (UB: DLA2049)

Schubert, Klaus 1995: Pluralismus versus Korporatismus, in: Nohlen, Dieter/Schultze, Rainer-Olaf (Hrsg.): Politische Theorien. Lexikon der Politik Band 1. München: Beck, 407-423.