Einführung in die Politikwissenschaften: "Interesse und Gemeinwohl"

WS 2000/ 01

Leitung: Dr. Nils Bandelow

 

 

Referent: Sven Adiek

Magister, Germanistik und Politikwissenschaft

Erstes Fachsemester

 

 

Referat: Karl Marx/ Friedrich Engels

Dialektik bei Hegel und Marx

  1. Hegels "systematische Philosophie" und die Dialektik als Teil der "Logik"
    Hegel: deutscher Philosoph des Idealismus (1770- 1831). Geschichtlich einer der letzten Vertreter einer systematischen philosophischen Theorie. Der Idealismus umfaßt hier eine metaphysische (wenn auch nicht subjektive), nicht praktische Position, welche sich der Realität im Bereich der Ideen und des Geistes widmet. Die Substanz ist folglich als eine Form der Erscheinung ("Phänomenologie") eines konstituierten Geistes auf seiner Spitze definiert.
    Die Forderung des Systems führten oft zu einem gekünstelten Schematismus, wie er vor allem in der Triade von These, Antithese und Synthese sichtbar wird; der Natur wurde als einer bloßen Entäußerung des Geistes die Entwicklung in der Zeit abgesprochen (teilweise schon bei Hegel).
  2. Die Dialektik ist für Hegel keine "äußere Kunst" und kein "subjektives Schaukelspiel von hin- und herübergehendem Räsonnement", sondern sie ist "vielmehr die eigene, wahrhafte Natur der Verstandesbestimmungen, der Dinge und des Endlichen überhaupt". "Das Dialektische macht daher die bewegende Seele des wissenschaftlichen Fortgehens aus und ist das Prinzip, wodurch allein immanenter Zusammenhang und Notwendigkeit in den Inhalt der Wissenschaft kommt, so wie in ihm überhaupt die wahrhafte, nichtäußerliche Erhebung über das Endliche liegt." (Enzyklopädie, § 81)
  3. Für die Bestimmung eines Gegenstandes ist nach Hegel der Beweis dessen notwendig, was den Gegenstand ausmacht. ("Es ist notwendig so, dass....")
    Von dem Beweis der Notwendigkeit ist folgendes verlangt:
    a) Der Gegenstand soll einerseits als Vermitteltes dargestellt werden und nicht in seiner Unmittelbarkeit genommen werden – er soll zurückgeführt werden auf das, was ihn ausmacht.
    b) Das dies woran die Suche (der Notwendigkeit) erklärt wird nichts anderes ist als die Sache selber – das ist der Begriff. Wichtiges ist von Unwichtigem geschieden, bei der "Suche" wird kein zweiter Inhalt von einer anderen Sache herbeizitiert:
    Der Begriff muß die zertrennten Umstände eines Gegenstandes erklären können, wie man die Sache so kennt, die Zufälligkeiten, was alles mit wem zusammenhängt, in welchem Verhältnis die Sachen zu einander stehen und die Eigenschaften und Bestimmungen einer Sache selbst, von denen man nicht weiß, ob sie zufällig sind oder ob sie notwendig sind. Es muß also die Identität der Sache bestimmt werden als das Prinzip dieser vielfältigen Umstände: dann erst weiss man die Sache auf die Identität mit sich selbst zu bringen, man hat also ihren Begriff.
  4. Das Dialektische an Hegels Logik ist also nichts anderes als ihre Notwendigkeit. Und dies läßt sich an Hegels Argumenten prüfen, mit denen er seine Aussagen über die Formen des Denkens beweist. Sie ergibt sich aus dem Widerspruch zwischen dem in allen in der Logik besprochenen Gedankenformen präsenten Zweck der Erkenntnis und der mehr oder minder adäquaten Art und Weise, in der dieser Zweck in diesen Formen jeweils realisiert ist. Dieser Widerspruch zeigt einen Mangel der Erkenntnis an, an welchem entweder festgehalten wird, wenn die Wissenschaft mehr an der Behauptung interessiert ist als an ihrer Wahrheit, oder er wird aufgehoben und beseitigt. Letzteres sind die Übergänge in der Logik und die Weise, in der schließlich die Gedankenformen erklärt werden, in denen das Erkennen sein Ziel erreicht.
  5. In der "Phänomenologie" passiert die Entwicklung des Geistes drei Stufen – (A) Bewußtsein, (B) Selbst- Bewußtsein, (C) Grund – Geist – Religion – absoluter Geist. Jede dieser Stufen beruht auf eine eigenständige dialektische Entwicklung: Die Bewegung der Position (These), Negation (Antithese) und Negation der Negation (Synthese). Dieses dialektische Prinzip ist vielleicht am besten in seiner historisch- materialistischen Form bekannt: Marx übernimmt Hegels Theorie in seiner Theorie des Historischen Materialismus, die vertritt, dass Geschichte als eine Geschichte von Klassenkämpfen notwendig zu einer kommunistischen Gesellschaft führt als eine Negation von Sozialismus welcher selbst die Negation von Kapitalismus ist.
  6. Der Fehler von Marx liegt darin, dass er in seiner deterministischen Geschichtsauffassung in den Frühschriften den Willen der Menschen herauskürzt. Doch bei der intendierten Abschaffung eines Herrschaftssystems kommt es gerade auf diesen schwer an. Kein Mensch handelt aufgrund historischer Notwendigkeiten, die ihn dazu leiten, die bestehende Gesellschaftsordnung durch eine höher entwickelte zu ersetzen, sondern weil er etwas erreichen will. Dazu braucht es Einsicht in die Sache, die er dann zu der seinen macht. Da weder diese Einsicht noch der Inhalt des Willens und seinen Zwecken determiniert ist, geschieht in der Geschichte also gar nichts notwendig. Grundlegend für diese Theorie war seine Erkenntnis, "Das Sein bestimmt das Bewußtsein". Demnach haben die Leute ein "notwendig falsches Bewußtsein", das zum Mitmachen im Kapitalismus laut Marx unabdingbar ist. Hier bezeichnet Marx mit dem Attribut notwendig den Sachverhalt, dass das Bewußtsein der Leute nicht zufällig so ist, wie er es beschreibt, sondern sich durch die Systemnotwendigkeiten des Kapitalismus bestimmt. Das Bewußtsein gründet auf der gesellschaftlichen Praxis, der Staatsideologie, welche den Gesellschaftsmitgliedern beim Einrichten in den für sie schädlichen Verhältnisse "hilft". Die Staatsideologie taugt demnach dafür, sich rechtfertigend positiv auf die eigenen Lebensbedingungen zu beziehen.