Ruhr-Universität Bochum

Einführung in die Politologie, WS 00/01

Thema: Spieltheorie

Referent: stud. rer. oec. Hans-Martin Esser

 

 

I. Was ist Spieltheorie:

-Eine vor circa 60 Jahren entstandene Wissenschaftsdisziplin im Grenzbereich von

Mathematik, Politologie und Ökonomie;

-Pioniere: Morgenstern, von Neumann, Nash und Selten (Belohnung: Nobelpreis der Wirtschaftswissenschaft 1994);

-Gegenstand dieser Disziplin: das Verhalten von Menschen in Gruppen unter ver-

schiedenen Annahmen;

-In der Regel wird der "homo oeconomicus" unterstellt.

 

II. Was ist mit "homo oeconomicus" gemeint ( verbunden mit typisch volkswirt-

schaftlichen Axiomen):

-Die Individuen handeln zweckrational: sie setzen die "knappen" Mittel zur Er-

reichung ihrer Ziele "vernünftig" ein;

-Individuen handeln eigennützig (vergleiche Politologie: sie haben also eher In-

teresse als Gemeinwohl im Auge), alternative Motive des Handelns (siehe Buch:

"Interaktionsformen" von Fritz W. Scharpf, S.152) wären:

Altruismus, Feindschaft, Wettbewerb, Solidarität: es kommt dabei darauf an,

wie ich die anderen "ALTER" in meine Nutzenfunktion einbaue;

-Der homo oeconomicus strebt den Besitz von möglichst vielen "goods" an,

die den "bads" diametral entgegengesetzt sind, nehmen Sie diese Begriffe ruhig

wörtlich, diese können materieller Natur, aber auch immateriell sein (Rechte,

Dienstleistungen), Monotonie der Präferenzen und Transitivität gelten;

"Nash-Gleichgewichtes", einfach ausgedrückt: kann man sich durch Veränderun-

gen ("Tausch")besserstellen und ist das erreichte Gleichgewicht stabil ?

 

 

 

III. "Lasset die Spiele beginnen" ( die 4 elementaren Spielarten)

  1. Gefangenendilemma ( bitte die Tabellen bei allen 4(!!!!) Spielen mitskizzieren,

besonders die eingetragenen Werte)

-Situation: 2 Schwerverbrecher werden bei einem Einbruch auf frischer Tat ertappt.

Sie haben daneben auch noch einen gemeinschaftlichen Totschlag begangen, dies ist aber nicht so leicht nachweisbar, obwohl Tatverdacht besteht. Sie werden auf dem Polizeirevier nacheinander verhört, wobei sie vorher keine verbindlichen (!)

Absprachen treffen können. Sollte einer gestehen und der andere nicht, kommt der

geständige aufgrund Kronzeugenregelung sofort frei, wobei der andere, sofern er leugnet, für 10 Jahre nach Alcatraz kommt. Wenn beide gestehen, kommen beide

wegen guter Kooperation nur 8 Jahre nach Alcatraz. Sollten beide leugnen, kann ihnen nichts nachgewiesen werden bezüglich des Kapitalverbrechens. Für das Ka-

valiersdelikt Einbruch müssten aber beide jeweils 1 Jahr nach Alcatraz.

-Wie würden Sie (als Verbrecher) entscheiden?

 

b) Assurance-game (geht laut Scharpf auf J.J.Rousseau zurück)

-Situation: 5 Jäger gehen in den Wald, um einen Hirsch zu erlegen. 4 Jäger reichen dazu nicht aus. Ein Jäger entscheidet sich – wider jede Ratio – aus Ungeduld dazu,

sich von der Gruppe zu entfernen, um einem Hasen, den er gesehen hat, zu jagen.

Die Gruppe findet ihn nicht wieder. Die 5er-Gruppe hätte den Hirsch 100%ig

stellen können. Genauso sicher ist es, dass jeder einzelne für sich einen Hasen fin-

det, den er erlegen kann.

-Wie würden Sie (als Jäger)entscheiden?

c)Chicken-game (geht auf unzählige Hollywood-B-Movies zurück)

-Situation: 2 James-Dean-Verschnitte sitzen in ihren Corvettes und fahren aufein-

ander zu. Wer bremst, hat Angst, bekommt also nicht die begehrte Verabredung mit Pamela, der Dorfschönheit. Sofern beide bremsen, gilt das als Unentschieden.

Wenn keiner bremst, müssen beide ins Krankenhaus zu Oberschwester Maite.

-Wie würden Sie ( als moderner Cowboy ) entscheiden?

d) Battle of the Sexes

-Situation: Ronny und Jacqueline treffen sich und verlieben sich sofort ineinander.

Beim Gespräch stellt sich heraus, dass Ronny abends das letzte Konzert der Puh-

dys sehen (8 Uhr abends in Dresden), Jacqueline will aber zum Konzert der Prin-

zen gehen (8 Uhr abends in Meissen). Plötzlich verlieren sie sich aus den Augen.

-Werden sie sich jemals wiedersehen; falls ja, ist dies reiner Zufall ?

Quintessenz ist :

-Viele Situationen lassen sich so leichter erklären, prognostizieren.

-Die Spiele existieren selten in Reinkultur, meist als Kombination.

-Viele Beispiele zeigen, dass die Spieltheorie Sachverhalte oft gut abbildet. So ist die

Kubakrise aus den 60er Jahren ein Beispiel für das "Chicken-Game", Gefangenen-

dilemma zeigt sich bei Prüfungsvorbereitungsstrategien der Wirtschaftsprüfer, bei

der Bereitstellung öffentlicher Güter (Unterversorgung und Übernutzung).

 

Nachtrag zum Olson-Text:

-"oligopolistisch" heißt, dass es mehr Anbieter gibt als beim Monopol, weniger hingegen als bei der vollkommenen Konkurrenz.

-Cournot (S.137) hat eine spezielle Preis-Mengenkonstellation, nämlich Grenz-

erlös=Grenzkosten beim Monopolisten (zur Gewinnmaximierung) entdeckt.

-"öffentliche" Güter unterscheiden sich von privaten dadurch, dass weniger Rivalität im Konsum herrscht bzw. kein Ausschluß praktiziert wird.

-"Isoquanten" bedeutet gleiche Ausbringungsmenge in der Güterproduktion.

 

 

 

Bücher zur Spieltheorie:

-Spieltheorie für Einsteiger von Dixit /Nalebuff (Schäffer-Pöschel):ökonomisch;

-Interaktionsformen von Fritz W. Scharpf (utb): politologisch;

-Game theory and politics von Steven J. Brams: politologisch;

-Rational interaction von Prof. Dr. Dr. hc mult. Reinhard Selten: mathematisch(!!!);

-Außerdem: Bücher von John von Neumann, Oskar Morgenstern: mathematisch.

 

Fröhliche Weihnachten und einen guten Rutsch ins Jahr 2001 !!!!