Stichworte zum Text von Rousseau
(Nils Bandelow, SoSe 2000)
Zeitlicher Kontext bei Rousseau
- frühbürgerliche Gesellschaft
- Herkunft aus Genfer Kleinbürgermileu (--> evtl. Gleichheitsideal)
- geboren in Genf (Schweiz, ---> evtl. daher Ideal des Kleinstaates)
Staatszweck und Staatsstruktur bei Rousseau
- Staatszweck: Freiheit/rechtliche und moralische Gleichheit zur Überwindung der physischen Ungleichheit
- Erste Bedingung: Kleinstaat
- Zweite Bedingung: Homogene Gesellschaft
- ideale Staatsstruktur: Direkte Demokratie (Polismodell/Urversammlung)
Menschenbild Rousseaus
- von Natur aus zu Vernunft und Unvernunft fähig, im Unterschied zum Tier verfügt er über Willensfreiheit und ist daher in der Lage, sich höher zu entwicken (Gabe der Perfektabilität, d. h. der Entwicklung über den von der Natur gegebenen Zustand)
- Der Mensch verfügt über einen natürlichen Selbsterhaltungstrieb (amour de soi) und die natürliche Fähigkeit, Mitleid (commisération) zu empfinden.
- Unvernunft ist nicht angeboren, sondern wird durch negative Einflüsse der Gesellschaft erzeugt (Mensch ist von Umwelt/Erziehung geprägt)
- Der Mensch ist zwar von Natur aus physisch ungleich (Gegensatz zu Hobbes), die moralische und politische Ungleichheit im bürgerlichen Staat hat aber damit nichts zu tun und wird gesellschaftlich erzeugt (keine "natürlichen" Sklaven wie bei Aristoteles)
Interesse und Gemeinwohl bei Rousseau
- Der Interessenbegriff Rousseaus ist komplex: Interessen können Interessen einzelner oder Interessen von Gruppen (kleinen Gesellschaften) sein.
- Das Gemeinwohl zielt bei Rousseau auf die Freiheit, nicht nur auf Sicherheit wie bei Hobbes aber auch nicht unbedingt auf Glückseligkeit wie bei Aristoteles.
- In der bürgerlichen Gesellschaft: Konflikt zwischen egoistischen Einzelinteressen (volonté particulière basierend auf der amour propre/Eigensucht; die Summe der egoistischen Einzelinteressen führt zum Willen aller/volonté de tous) und dem eigentlichen Allgemeinen Willen (volonté generale, basierend auf dem unverfälschten Selbsterhaltungstrieb der Individuen/amour des soi)
- Rousseau will durch negative Erziehung Einzelinteressen und Gemeinwohl angleichen
Politikbegriff Rousseaus
- kein expliziter Politikbegriff; implizit: Politik wird nicht als Machtkampf, sondern als deliberatives Streben nach dem Gemeinwohl verstanden
- Orientierung an Diskursen (also insgesamt etwa: normativ-diskursiver Politikbegriff)
Methode Rousseaus
- Rousseau geht nach eigenem Bekunden aus von den Menschen "wie sie sind" und von den Gesetzen "wie sie sein können", die Annahmen zum Menschenbild werden aber nicht systematisch historisch erarbeitet
- Verbindung von erziehungswissenschaftlichen (Menschenbild) und staatstheoretischen Überlegungen