Übung: Einführung in die Politikwissenschaft,
Dr. Nils Bandelow, WS 2000/01, Unterlagen (Folienkopien)
Max Weber
Zeitlicher Kontext des Weber-Vortrags "Politik als Beruf"
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Frühphase der Parlamentisierung, Bedeutungsgewinn der Parteien
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Frage nach den Anforderungen an Politiker im Parlamentarismus
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zur Person: Weber ist methodisch und begrifflich zentrale Referenz heutiger
Politik-/Sozialwissenschaft
Zentrale Begriffe bei Max Weber
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Politik: realistischer Politikbegriff (Konzentration auf Streben
nach Machtanteil oder Beeinflussung der Machtverteilung, andere Gesichtspunkte
(etwa Gemeinwohl/gutes Leben) werden als unwissenschaftlich nicht beachtet).
Wörtliche Definition im Text: "jede Art selbständig leitender
Tätigkeit ... eines Staates" (S. 8): Kommentar: Dies ist eine Nominaldefinition,
die Einschränkung "eines Staates" ist bewusst gesetzt während
"jede Art selbständig leitender Tätigkeit" von Weber als etymologische
(d. h. der Sprachentwicklung und dem Sprachgebrauch entnommene Nominaldefinition
gesehen wird
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Staat: "Staat ist diejenige menschliche Gemeinschaft, welche innerhalb
eines bestimmten Gebietes das Monopol legitimer physischer Gewaltsamkeit
für sich (mit Erfolg) beansprucht."
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Stände: "‘Stände‘ sollen uns heißen die eigenberechtigten
Besitzter militärischer oder für die Verwaltung wichtiger sachlicher
Betriebsmitel oder pesönlicher Herrengewalten." (gibt es so nicht
mehr im modernen Staat)
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ständisch gegliederter Verband: "(Ein) politischer Verband,
bei dem die sachlichen Verwaltungsmittel ganz oder teilweise in der Eigenmacht
des abhängigen Verwaltungsstabes sich befinden"
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moderner Staat: Staat, bei dem "tatsächlich in einer einzigen
Spitze die Verfügung über die gesamten politischen Betriebsmittel
zusammenläuft, kein einziger Beamter mehr persönlicher Eigentümer
des Geldes ist, das er verausgabt, oder der Gebäude, Vorräte,
Werkzeuge, Kriegsmaschinen, über die er verfügt."
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Legitimität: innere, sittlich motivierte Geltungsüberzeugung
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Legalität: äußere Rechtsfähigkeit
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Macht (nicht im Reader): "jedwede Chance, innerhalb einer sozialen
Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel
worauf diese Chance beruht."
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Herrschaft (nicht im Reader definiert): "Chance, für einen
Befehl bestimmten Inhalts bei angebbaren Personen Gehorsam zu finden"
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gesinnungsethisch: Rechtfertigung von Handlungen mit deren Zielen,
Mensch handelt nach einer Ideologie, überträgt die Verantwortung
für die Folgen seines Tuns auf andere, sieht sich für Folgen
nicht verantwortlich, Gesinnungsethiker erträgt die ethische Irrationalität
der Welt nicht, d. h. er lehnt alle schlechten Ziele und alle schlechten
Mittel ab
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verantwortungsethisch: Rechtfertigung von Handlungen mit deren Folgen,
Verantwortungsethiker zeigt sich für die Folgen seines Tuns verantwortlich
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Idealtypus (nicht im Reader definiert): "wird gewonnen durch einseitige
Steigerung eines oder einiger Gesichtspunkte und durch Zusammenschluß
einer Fülle von diffus und diskret, hier mehr, dort weniger, stellenweise
gar nicht vorhandener Einzelerscheinungen, die sich jenen einseitig herausgehobenen
Gesichtspunkten fügen, zu einem in sich einheitlichen Gedankengebilde."
Idealtypen erfüllen u. a. folgende Funktionen: reine Konstruktion
von Zusammenhängen, Anregung zur Hypothesenbildung, Beitrag zur Vermittlung
von Erklären und Verstehen
Von welchem Politikerbild geht Weber aus?
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Charisma
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Leidenschaft, Verantwortungsgefühl, Augenmaß
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schlecht sind: Eitelkeit, Unsachlichkeit, Verantwortungslosigkeit
Welchen Staatszweck legt der Text zugrunde?
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Verhinderung von Anarchie
Wie konzipiert der Autor den idealen Staat?
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Kein konkretes Staatsmodell, wichtig ist die Akzeptanz (Legitimität)
des Gewaltmonopols
Wie ist der Autor vorgegangen, um sein Modell eines idealen Staates
zu entwerfen? (Methode)
Weber entwirft eigentlich keinen "idealen Staat", da er werturteilsfrei
forscht. Die wichtigsten Merkmale seine Methode ist sein verstehender (nicht
erklärender) Ansatz und damit verbunden sein Arbeiten mit Idealtypen.
Inwiefern lassen sich die Methoden und Aussagen des Textes auf die
Gegenwart übertragen?
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Bestimmung der Grundlagen der Legitimität von Herrschaft in modernen
Staaten
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Frage nach der Bedeutung von Charisma
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Struktur und Rolle der Parteien heute
Gibt es aus heutiger Sicht Kritikpunkte an der Vorgehensweise oder den
Thesen des Textes?
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Postulat der werturteilsfreien Wissenschaft ist umstritten.
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Idealtypen sind einer empirischen Prüfung nicht zugänglich.
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Operationalisierung einzelner Begriffe ist schwierig (z. B. Macht)
Literaturhinweise:
Apel, Karl-Otto/Kettner, Matthias (Hrsg.): Mythos Wertfreiheit. Neue
Beiträge zur Objektivität in den Human- und Kulturwissenschaften.
Frankfurt a.M./New York: Campus.
Weber, Max, 1921/22: Wirtschaft und Gesellschaft. Tübingen: Mohr
(Ausgabe von 1990).
Weiterhin Artikel zu Max Weber in den Sammelwerken zu Klassikern
des politischen oder soziologischen Denkens.