Übung: Politische Systeme und Politik in Deutschland und Großbritannien, Dienstags 10-12 Uhr, GC 03/149

Leitung: Dr. Nils Bandelow, Sprechstunde Dienstags 13-14 Uhr, GC 04/149
 

Einführung in Grundlagen und Methoden der Vergleichende Regierungslehre
 
 

Grundlage dieser Sitzung war vor allem Teil I des folgenden Lehrbuchs:

Lehner, Franz/Widmaier, Ulrich, 1995: Vergleichende Regierungslehre. Opladen: Leske + Budrich.
 
 

Zentrale Ergebnisse der Sitzung
 

Dimensionen des Politikbegriffs
 

Unterscheidung zwischen Klassifikation (auch klassifikatorische Typen genannt) und Typologien:


Unterschiedliche Formen repräsentativer Demokratien: parlamentarische vs. präsidentielle Regierungssysteme:

Bei Lehner/Widmaier (1995: 58) werden drei gleichberechtigte "Definitionsmerkmale" des Parlamentarismus genannt:

Primäres Unterscheidungsmerkmal zwischen parlamentarischen und präsidentiellen Regierungssystemen nach Steffani/Fraenkel:
In parlamentarischen Regierungssystemen ist die Regierung in ihrem Bestand von der Zustimmung durch das Parlament abhängig. In präsidentiellen Regierungssystemen kann das Parlament dagegen die Regierung nicht (aus politischen Gründen) stürzen.

Supplementäre Merkmale des Parlamentarismus nach Steffani/Fraenkel:

Zur Diskussion:
  • Warum trennt Steffani zwischen primären und supplementären Merkmalen?
  • Wie ist die Bundesrepublik Deutschland bei den verschiedenen Merkmalen zuzuordnen?
  • Für welche Art von Fragestellungen ist die Unterscheidung zwischen parlamentarischen und präsidentiellen Regierungssystemen fruchtbar?

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    Vergleichende Regierungslehre als Methode (Methoden des Vergleichs)

    Selten explizit, aber in der empirischen Forschung durchaus bedeutsam ist die Unterscheidung zwischen zwei Traditionen der Vergleichenden Forschung:

    Es ist durchaus umstritten, ob beide Traditionen ihre Berechtigung haben (das Lehner/Widmaier-Lehrbuch orientiert sich primär an der Durkheim'schen Tradition) und ob die Traditionen immer getrennt sein müssen. So gibt es auch Forscher, die eine Zusammenführung beider Traditionen anstreben.

    In verschiedenen Disziplinen der Sozialwissenschaft (etwa der Politikfeldanalyse, den Internationalen Beziehungen und auch in soziologischen Teildisziplinen) findet gegenwärtig eine Debatte zwischen Vertretern "positivistischer" Forschung und Kritikern "positivistischer" Forschung statt. Letztere sind wenig einheitlich und ordnen sich selbst auch unterschiedlichen Traditionen zu. In der Vergleichenden Regierungslehre wurde diese Debatte bisher noch wenig auf Lehrbuchebene aufgenommen, sie prägt aber ebenfalls empirische Studien. Im folgenden möchte ich (N.B.) einen ersten Vorschlag einführen, um einige der wichtigsten Fragestellungen der Vergleichenden Regierungslehre zu charakterisieren:

    Die genannten Fragestellungen und Begriffe entsprechen nicht dem bisher etablierten Stand des Faches und sind nur als Verdeutlichung dafür zu verstehen, dass es unterschiedliche Perspektiven gibt, die im Fach mitunter in Konkurrenz zueinander stehen. Für die einzelne Forscherin bzw. den einzelnen Forscher bedeutet das nicht, dass vollkommene Beliebigkeit bei der Wahl von Fragestellungen, Kriterien und Methoden herrscht: Vielmehr ist es notwendig, sich über seinen eigenen Zugang, seine Ziele und seine Methodenwahl im Klaren zu sein und sich möglichst an eine im Fach erfolgreiche Sichtweise anzuschließen. Möglich ist es natürlich auch, die verschiedenen Zugänge nicht als Gegensatz aufzufassen, sondern ihren jeweiligen Beitrag zum Erkenntnisgewinn zu würdigen und möglicherweise Studien so zu konstruieren, dass die jeweiligen Gewinne der verschiedenen Perspektiven aufnehmen.
     

    Nutzen (internationaler) Vergleiche (nach Lehner/Widmaier):

  • Erweiterung empirischer Wissensbestände
  •  besses Verständnis des eigenen Landes
  •  Übernahme ausländischer Lösungen als Leitbilder für die eigene Politik
  •  Prüfung von Hypothesen, die am Einzelfall gewonnen wurden auf Verallgemeinerbarkeit (zentral)

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    Regeln beim internationalen Vergleich (sollten bei allen Traditionen und Fragestellungen beachtet werden):

  • Konzeptuelle Klarheit (u. a. eingeführte Begriffe verwenden um anschlussfähig zu bleiben)
  • Historische Kenntnisse und Sensibilität
  • Beachtung institutioneller Besonderheiten

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    Probleme von Vergleichen (vor allem bei der Bearbeitung variablenbezogener positivistischer Fragestellungen)

  • Daten nicht immer vergleichbar
  • Randbedindgungen nicht kontrollierbar
  • Problem der Auswahl von Fällen und Gegenständen
  • Geringe Fallzahl birgt Tendenz zur Überbewertung der Ergebnisse (Johan Galtung hat mal gesagt: "[...] if only perfect correlations should be permitted social science would not have come very far"
  • Eigentlich sind alle Fälle immer verbunden, besonders heute bei der Tendenz zur Globalisierung (kann man eigentlich Arbeitslosigkeit mit nationalen Faktoren erklären?)