Ruhr-Universität Bochum
Fakultät für
Sozialwissenschaft
WiSe 01-02
Veranst.: BRD und UK im Vergleich...
Dozent: Dr. N.Bandelow
Referent: J.Joscha Finger
Das
schottische Regierungssystem
Zeittafel
Das Scottish Office unter Vorsitz des Secretary of State for Scotland wird eingerichtet.
Devolution im UK
Die Devoluttion, also die Verringerung des Zentralismus im UK, war eines der wichtigsten Wahlversprechen der Labour Party im 1997er Wahlkampf, der unter dem eher hochtrabenden Motto "New Labour – New Britain" stand.
Unter den Tory-Regierungen von Thatcher und Major war der Trend eher in entgegengesetzter Richtung gelaufen; hin zu immer stärkerer Zentralisierung und zunehmender Privatisierung des öffentlichen Sektors. Für New Labour war dies mitverantwortlich für die wirtschaftliche Misere des Landes, die um sich greifende Politikverdrossenheit und die zentrifugal-separatistischen Bestrebungen in Schottland und Wales.
Sir Jack Straw MP spricht von der Devolution als Teil einer 6-Punkte Strategie (Constitution Unit Annual Lecture, Church House, 27.10.1999):
Im Anschluss
an den erdrutschartigen Wahlsieg der Labour Party wurden in Wales und Schottland
Referenden zu Devolution durchgeführt. Die Ergebnisse sind folgende:
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50,3% |
49,7% |
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74,3% |
25,7% |
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63,5% |
36,5% |
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Zahlen nach: Beal, David/Freese, Peter (ed.) A united Kingdom? The nations of Britain
Reihe Viewfinder Topics, Langenscheidt-Longman, München 2000
Daneben wurde in Nordirland die Home Rule wiedereingeführt, welche jedoch ein Kapitel für sich wäre.
Am 06.05.1999
wurde nach langen, breit angelegten Beratungen zum ersten Mal gewählt.
Beide Versammlungen sind unicameral verfasst; die jeweilige Administration
unter dem/der First Minister (Henry McLeish, Schottland bzw. Rhodri Morgan,
Wales) ist vom Vertrauen der jeweiligen Versammlung abhängig. Hier
die Wahlergebnisse:
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Zahlen nach Beal/Freese
In beiden Fällen wird nach einem neuen System gewählt, das einen Teil der Sitze nach relativem Mehrheitswahlrecht in Ein-Personen-Wahlkreisen vergibt, während ein weiterer Teil nach dem Single Transferable Vote –System über regionale Listen vergeben wird. Zweiteres entspricht in etwa dem Verfahren bei den Wahlen zum Bochumer Studierendenparlament. In Schottland regiert eine "LabLib"-Koalition unter Henry McLeish (Scottish Labour Party), seit der ehemalige Secretary of State for Scottish Affairs und spätere First Minister for Scotland Donald Dewar Donald Dewar MP MSP seinem Herzleiden zum Opfer gefallen ist. In Wales regiert Labour allein.
Das Scottish Parliament hat weitreichende Befugnisse auf den Gebieten der Sozial- Transport- Bildungs- Gesundheits- und Kulturpolitik sowie im Bereich der extrahierenden Industrien. In rein schottischen Belangen ist es die primäre Legislative. Es kann die Einkommenssteuer um bis zu 3 Prozentpunkte verschieben.
Die Welsh Assembly hat eine weniger starke Stellung und eine stärker beratende Funktion, auf die Steuern hat sie keinen direkten Einfluss.
Zumindest in Schottland führte die Devolution bisher zu dramatischen Einbrüchen bei den Sympathiewerten der Nationalisten, die derzeit jedoch auch extreme interne Probleme haben, nachdem ihr Vorsitzender sich ins Privatleben zurückgezogen hat. Bezüglich der Wirkungen der Devolution auf die wirtschaftliche Entwicklung in Schottland und Wales wären Aussagen noch verfrüht und zudem durch negative externe Entwicklungen und Schocks erschwert; auch der Jahresbericht für 2001 ist in beiden Regionen nicht vor März zu erwarten, wenn er auch auf den entsprechenden Regierungsseiten verfügbar sein wird.
Devolution in England
In England wurden folgende Maßnahmen nach dem Regional Development Agencies Act von 1997 durchgeführt:
Stellvertretend
für die eher heterogenen Vertretungskörperschaften möchte
ich hier noch kurz die South East England Regional Assembly (SEERA)
vorstellen. Der Südosten ist mit etwa 8 mio. EinwohnerInnen die
größte Region Englands, South East England (SEE) und London
sind hochgradig interdependent. Allein, ohne den Rest des UK, wären
sie die fünftgrößte Volkswirtschaft der EU. Die hohe Konzentration
der Bevölkerung und der Wirtschaft in diesem Teil des Landes macht
einen Großteil der Probleme bezüglich der Devolution aus; Schottland,
im Vergleich, hat mit ca. 5,12 mio Einwohnern nur etwa ein Drittel der
Größe von London und SEE zusammen -und eine bedeutend geringere
Wirtschaftsleistung.
| Mitglieder | Große local authorities |
74
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| Gemeinderäte kl. Gemeinden |
3
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| Sozialpartner aus den Bereichen Wirtschaft, Soziales und Umwelt |
34
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111
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Alle Mitglieder sind jeweils auf 2 Jahre nominiert, Wiederernennung ist beliebig oft möglich. Die Stimmen sind gewichtet. Im Falle politischer RepräsentantInnen erfolgt die Gewichtung nach der Zahl der Wählerinnen im jeweiligen Gebiet, Sozialpartner haben 2 Stimmen pro RepräsentantIn. Es müssen mindestens drei Sitzungen pro Jahr stattfinden; beim ersten Treffen des Jahres wird einE VorsitzendeR sowie fünf StellvertreterInnen gewählt. Diese Posten sind an ein politisches Mandat gebunden, die Aufstellung folgt bestimmten Proporzregeln.
Neu ist in diesem Modell die direkte und voll stimmberechtigte Einbeziehung nicht-politischer Sozial- partner, die der Konzeption einer regionalen Entwicklungspartnerschaft entspricht. War die SEERA bisher eher ein beratendes Gremium, das der zentral gesteuerten South East England Development Agency (SEEDA) zuarbeitete, so ist in letzter Zeit eine klare Schwerpunktverlagerung zu ihren Gunsten zu beobachten.
Bisher handelt es sich bei der SEERA um ein auf Konsens ausgerichtetes Interessenvertretungsorgan, dessen wichtigste Ausschüsse das Executive Committee und das Regional Planning Committee sind. Inwiefern diese Struktur den wachsenden Aufgaben gewachsen sein werden, inwieweit die regionalen Versammlungen sich in den nächsten Jahren etwa der Welsh Assembly angleichen werden, bleibt abzuwarten. Geplant ist derzeit nichts in der Art, die Liberal Democrats haben jedoch schon ähnliches gefordert.
Über die local authorities, mithin die kommunalverwaltungen/ -räte, lässt sich wenig Verallgemei- nerndes sagen: Vielfach werden dem Londoner System ähnliche oder auch radikal davon abweichende Räte geschaffen; in Oxfordshire zum Beispiel besteht ein System mit 51 Ratsmitgliedern, aus deren Mitte einE VorsitzendeR gewählt wird. Diese Person füllt den BürgermeisterInnenposten aus.
Folgende Aufgaben obliegen den local authorities:
Fazit