Ü: Politische Systeme und Politik in Deutschland und Großbritannien
Dr. Nils Bandelow

Parteiensysteme und innerparteiliche Willensbildung
Andreas Schulz
 

Gesetzlicher Hintergrund / Definition von Parteien


Innerparteiliche Struktur und Willensbildung
 
Deutschland Großbitannien
Die Parteien sind in Orts-, Kreis- und Landesverbänden sowie dem Bundesverband organisiert. Die Mitglieder entsenden Deligierte in die nächsthöhere Ebene.

Der Parteitag wählt den Parteivorstand.

Die Deligierten nominieren die Kandidaten für die Bundestagswahlen.

Die Parteien sind in "regional bureaus" organisiert, die unter einem Dachverband zusammengefaßt sind.

Die Mitglieder wählen den Vorstand der Dachorganisation.

Die Mitglieder wählen die Kandidaten für die Unterhauswahlen.

Die Bundesparteitagsdeligierten wählen den Bundesvorstand und das Präsidium. 
 
 

 

Wahl des party leaders durch

- die Parteimitglieder bei den Liberal Democrats und den Konservativen

- die Gewerkschaften, die Parteiverbände und die Unterhaus-/EP-Abgeordneten (mit je 1/3 der Stimmen) bei Labour

Die Bundesparteitagsdeligierten stimmen über das Parteiprogramm ab.

Es sollte einen Prozeß der gegenseitige Willensbildung zwischen Basis und Parteiführung geben. De facto erfolgt die Impulsgebung von Unten häufig nur bei Kernthemen.

Der party leader bestimmt das Parteiprogramm und ist dabei an keine Weisungen gebunden.

Es gibt keine Willensbildung von der Basis nach oben. Die Mitglieder können (teilweise) die Politik der Opposition bzw. Regierung kritisieren. Dies hat aber keine realen Auswirkungen.

3.) Charakterisierung der Parteien in Großbitannien

3.a) Die Konservativen

Die konservative Partei ist aus einer in den 1830er Jahren gegründeten Gruppe von Unter- und Oberhausabge-ordneten entstanden. Bis zum Parteivorsitz Maggie Thatchers charakterisierte die Partei eine liberale, aber auch soziale Wirtschaftspolitik, die besonders den Erhalt des Status Quo verfolgte. Thatcher legte die Partei auf einen neo-liberalen Kurs der Marktwirtschaft fest. Sie sah ihre Position in der Partei nicht mehr als Mittlerin zwischen den Parteiflügeln, sondern als Impulsgeberin.

3.b) Labour

Die Labour Party wurde 1900 von den Gewerkschaften als politischer Arm gegründet. Die Gewerkschaften dominierten dementsprechend die Partei bis in die 1980er Jahre hinein sehr. Es gab sowohl eine individuelle (direkte) als auch eine kollektive (indirekte) Mitgliedschaft (von Gewerkschaftsmitgliedern). Nach dem Zweiten Weltkrieg verfolgte die Partei eine Politik der Verstaatlichung und sozialpolitischer Reformen. Ab 1983 änderte sich das Parteiprogramm hin zu eher marktwirtschaftlichen Prinzipien. Heute ähnelt sie in der Programmatik der deutschen CDU.

3.c) Liberal Democrats

Die Liberalen wurden 1859 gegründet und verfolgte eine Politik der Förderung des internationalen Friedens und Freihandels. Seit dem Ende des Ersten Weltkrieges sind die Liberalen von Labour als stärkste Oppositionspartei abgelöst worden. In den letzen Jahrzehnten entwickelte sich die Partei zum Verfechter der Abrüstungspolitik und des Föderalismus, und ist heute eher linksliberal einzustufen.

Literatur:

Siehe http://homepage.ruhr-uni-bochum.de/Nils.Bandelow/gbdlit.htm

Ellwein, Thomas (et al.): Das Regierungssystem der Bundesrepublik Deutschland – Textteil, Opladen 61987