Ruhr-Universität Bochum
Sozialwissenschaftliche Fakultät WS 2001/02
Politikübung: Politische Systeme und Politik in Deutschland und Großbritannien
Dr. Nils Bandelow
Referent: Markus Steinmetz
 
 

Verbändesysteme und Beschäftigungspolitik



 
Deutschland
Großbritannien
Rechtliche Grundlagen Art. 9 GG: Vereinigungs- und Koalitionsfreiheit

Absatz 3: Arbeits- und Wirtschaftsvereinigungen

Art. 17: Petitionsrecht

Verbände können im Unterschied zu Parteien ohne gerichtliches Verfahren verboten werden

Unterliegen dem Vereinsrecht

Seit 1824 Gründung von Organisationen weder eingeschränkt noch national gerichtlich nachprüfbar

Grundlage heute: europäische Menschenrechtskonvention

Koalitionsverbot für Streitkräfte, Polizei und Inhaber öffentlicher Ämter

Einflussnahme der Verbände 1600 Verbände sind in Lobbyliste des dt. Bundestages eingetragen, nur dann ist eine Teilnahme an Anhörungen nach §70 der GO des Bundestages möglich

frühe Einflussnahme bei Gesetz möglich durch:

Anhörungen in Ausschüssen, manche Ausschüsse sind Verbandsinseln da 40% der Abgeordneten Verbandsmitglieder

Mehrheit der Gremien in Bundesbehörden und Ministerien sind korporative Gremien

Verbände nehmen z.T. öffentlich-rechtliche Aufgaben war (z. B. IHK)

å : Verbände sind in institutionalisierter Form an staatlicher Politik beteiligt, die durch Konsens und Kompromiss den mittleren Weg sucht

=> große Einflussmöglichkeiten der Verbände

Unterscheidung zwischen insider und outsider status

Insider status: Verbände erscheinen in der Standard list der zur Stellungnahme zubittenden Verbände, nichtbedeutend mit großem politischen Einflusss

Einflussnahme in fachspezifischen "policy communities"

der Fachministerien, dort sind niedrig eingestufte Fachexperten oder junior ministers , die sich profilieren wollen erste Anlaufstationen

jedes Ministerien ist besterbt möglichst viele Verbände an sich zu ziehen um Haushaltsanteile zu sichern

es gibt Verbände, denen das legitime Vertretungsmonopol als Interessensvertreter zuerkannt wird

å : Verbände besitzen keine großen Einflussmöglichkeiten in der britischen Politik

Verbände - Korporatismus Verbände - Pluralismus
Wirtschaftsverbände 2 Spitzenverbände: BDA, BDI

zwischen beiden herrscht enge personelle Verflechtung

einheitliche Linie bei zentralen fragen

Dominanz der Großindustrie => Konflikt mit dem Mittelstand

80% Organisationsgrad der dt. Unternehmer

DIHT: Vereinigung aller IHK’S 

IHK: öffentlich – rechtliche Organisation mit Selbstverwaltungskompetenzen, Pflichtmitgliedschaft aller Unternehmer

BDI: 34 Mitgliedsverbände, die Tarifverhandlungspartner für die Gewerkschaften sind, Unterteilung in 15 Landesverbände

BDA: nicht tariffähig

51 Fachverbände in jeweils 14 Regionalverbänden

formuliert "Tabu-Katalog zur Lohnpolitik"

politische Nähe CDU, aber jede Regierung wird immer für ihre Wirtschaftspolitik kritisiert

Dachverband: CBI (Confederation of British Industry)

1965 auf Initiative der Labour Regierung gegründet

Organisationsstruktur und Entscheidungsprozesse chaotisch

75% der britischen Industrie sind angeschlossen, aber die Großindustrie und die meisten Dienstsleistungsunternehmen nicht

zusätzlich gibt es 100 Arbeitgeberverbände die ohne Einfluss sind

nähe zur Conservative Party


 
 
Gewerkschaften DGB ist zentraler Dachverband

Besteht aus 8 Einzelgewerkschaften, bei denen die Tarifhoheit liegt

Richtungsgewerkschaften : IG Metall, ver.di

Tarifverhandlungen finden nach gesetzlichen regeln ohne staatliche Schlichtung statt

Starker Mitgliederrückgang führt zu Fusionszwang

Organisationsgrad: 25% , besonders hoch im öffentlichen Dienst, niedrig im Dienstleistungssektor

neues Betriebsverfassungsgesetz

75-85% der DGB–Funktionäre SPD-Mitglied

Abnehmende Gültigkeit der Flächentarifverträge, besonders im Osten, aber immer noch über 80% Bindungskraft von Tarifverträgen (in % der abhängig Beschäftigten) 

235 Gewerkschaften

Dachverband TUC mit 75 Fachgewerkschaften

Starke Zersplitterung der Gewerkschaften (3-teilung):

craft unions: traditionelle Facharbeitergewerkschaft

industrial unions: sektorale Gewerkschaft

general unions: branchenübergreifende Organisationen

starke Schwächung durch Thatcherismus:

z. B. Haftung bei illegalen Arbeitskämpfen

Verbot von closed shop

Tarifverhandlungen werden durch shop stewards, die oft nicht Gewerkschaftsmitglied sind betriebsintern geführt

Drastischer Gewerkschaftsmitgliederrückgang seit 1980

Organisationsgrad heute: ca. 30%

Bindungskraft von Tarifverträgen: 35, 5%, 1980 70%

eine Gewerkschaft muss mindestens 50% aller Beschäftigten eines Betriebes auf sich vereinigen um als legitime Interessensvertretung anerkannt zu werden

Betriebsräte werden erst langsam aufgrund von EU-Bestimmungen eingeführt

Gewerkschaften haben immer noch 30% Stimmenanteil bei der Wahl des Labour-Vorsitzenden

Beschäftigungspolitik Politik versucht durch Partizipation von Gewerkschaften und Wirtschaftsverbänden eine konsensorientierte Beschäftigungspolitik zu gestalten

aktuelles Beispiel. Bündnis für Arbeit

schnelle und strukturelle Reformen allerdings kaum möglich

Labour – Regierung betreibt wirtschaftsfreundliche Politik die noch weites gehend auf Thachterismus aufbaut , dies ist aber nicht auf die schlecht strukturierten und organisierten Wirtschaftsverbände zurückzuführen 

Gewerkschaften spielen bei politischen Entscheidungsprozessen im Rahmen der Beschäftigungspolitik auch bei Labour keine Rolle 


 
 
 
 
 

Gegenüberstellung von Nachfrageorientierter und Angebotsorientierter Wirtschaftstheorie
 
Keynesianisch (nach Keynes):

Betonung der Nachfrageseite (Volkseinkommen)

Staatliche Verantwortung für Wachstum und Beschäftigung (Globalsteuerung): praktiziert in den 60’er und 70’er Jahren

Maßvolle Inflation ist akzeptabel, keine restriktive Notenbankpolitik

Antizyklische Fiskalpolitik

Konsensorientierte Wirtschafts- und Beschäftigungspolitik

Monetaristisch (nach Milton Friedmann):

Radikal praktiziert durch Thatcherismus:

Lenkung der Wirtschaft allein durch Fiskalpolitik

Verbesserung der Angebotsbedingungen

(Steuern,e.t.c.) für ausländ. Direktinvestitionen

Beendigung der "mixed economy"

Umfassende Privatisierung

Rückzug des Staates aus sozialen Sicherungssystemen: "Verantwortung des einzelnen"

Literatur: siehe http://homepage.ruhr-uni-bochum.de/Nils.Bandelow/gbdlit.htm

http://www.dgb.de/

http://www.bdi-online.de

http://www.bda-online.de

http://www.cbi.org.uk