Übung: Politische Systeme und Politik in Deutschland und Großbritannien (Wintersemester 2001/2002, Ruhr-Universität Bochum), Dienstags 10-12 Uhr, GC 03/149
Leitung: Dr. Nils Bandelow, Sprechstunde Dienstags 13-14 Uhr, GC 04/149

Folieninhalte zur Sitzung "Europapolitik"
 
 

Einführung: Fragestellungen

Stationen der Europäischen Einigung
1951 (18. April) Unterzeichnung des Vertrags über die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (Benelux, BRD, I, F)

1957 (25. März) Unterzeichnung der "Römische Verträge" (EWG und EAG)

1967 (1. Juli) Zusammenschluss von EGKS, EWG und EAG zu den "Europäischen Gemeinschaften" (EG) mit gemeinsamer EG-Kommission in Brüssel

1972 (21. März) Einrichtung einer Währungsschlange (Wechselkursverbund, "System zur Verringerung der Schwankungsbreiten zwischen den Währungen der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft"). Die Schwankungsbreite der EG-Währungen wurde ursprünglich auf +/- 4,5 Prozent festgelegt und am 24. April 1972 auf +/- 2,25 Prozent beschränkt. Die Phase der Stabilisierung der Wechselkurse war nur von kurzer Dauer: Wachsende Unruhen auf den Devisenmärkten und anhaltende Spekulationen zwangen Italien, Großbritannien, Irland, später auch Frankreich und Schweden zum Austritt.

1973 (1. Januar) Beitritt von GB, Irland und Dänemark

1979 (13. März) Inkrafttreten des Europäischen Währungssystems (auf dieser externen Seite - für deren Inhalt ich nicht verantwortlich bin - gibt es weitere Informationen zum EWS), die Mitgliedschaft beim EWS war für die EG-Mitglieder freiwillig.

1981 (1. Januar) Beitritt von Griechenland

1986 (1. Januar) Beitritt von Portugal und Spanien

1987 (1. Juli) Unterzeichnung der "Einheitlichen Europäische Akte" (Beschluss zur Einführung eines Europäischen Binnenmarktes zum 1. Januar 1993)

1990 (1. Januar) Erste Stufe der "Wirtschafts- und Währungsunion" (die Mitgliedstaaten wollen die Wirtschafts-, Finanz-, Wechselkurs- und Geldpolitik enger miteinander koordinieren, um eine Preisstabilität im EG-Raum zu erzielen)

1990 (3. Oktober) Deutsche Einheit: Eingliederung des Gebiets der ehemaligen DDR in die EG

1992 (7. Februar) Unterzeichnung des Vertrages über die Europäische Union in Maastricht (Eingliederung der früheren Gemeinschaften als erste Säule in die Europäische Union, Beschlussfassung für die Einführung einer Wirtschafts- und Währungsunion, Festlegung der Konvergenzkriterien Preisstabilität, Wechselkursstabilität, Nettoneuverschuldung und Gesamtschuldenstand als Voraussetzung für eine Teilnahme an der dritten Stufe der WWU)

1993 (1. Januar) Vollendung des Binnenmarktes

1993 (1. November) Inkrafttreten des EUV

1994 (1. Januar) Zweite Stufe der Wirtschafts- und Währungsunion (Einhaltung von Vorgaben bei Zinsen und öffentlichen Ausgaben, Einrichtung des EWI als Vorläufer der EZB)

1995 (1. Januar) Beitritt von Finnland, Schweden und Österreich zur EU

1995 (26. März) Inkrafttreten des "Schengener Abkommens" (Abschaffung der Personenkontrollen an Grenzen) zwischen Benelux, Deutschland, Frankreich, Portugal und Spanien (danach bis heute Beitritte auch von Dänemark, Griechenland, Finnland, Italien, Österreich und Schweden)

1996 (29. März) Beginn der "Regierungskonferenz" und Gipfel von Turin zur Weiterentwickung der EU-Institutionen im Hinblick auf die Osterweiterung ("Maastricht II")

1997 (2. Oktober) Unterzeichung des Vertrags von Amsterdam (Stärkung des EP im Gesetzgebungsprozess der EG, Vertiefung im Bereich der GASP und der ZIJP)

1998 (30. März) Beginn der Beitrittsverhandlungen mit zehn mittel- und osteuropäischen Staaten und Zypern

1998 (2. Mai) Entscheidung für den 1. Januar 1999 als ersten Tag der Europäischen Währungsunion. 11 Mitgliedstaaten sind dabei: Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, Luxemburg, die Niederlande, Österreich, Portugal und Spanien.

1998 (1. Januar) Beginn der Währungsunion

1998 (1. Mai) Inkrafttreten des Amsterdamer Vertrags

2000 (Dezember) Beschlussfassung für den noch nicht ratifizierten Vertrag von Nizza (u. a. Änderung der Stimmrechte im Ministerrat und der Sitzverteilung im EP als Vorbereitung auf die Erweiterung, der Vertrag wurde im Ratifizierungsverfahren Ablehnung in Irland mit knapp 54 % am 7. Juni 2001 abgelehnt)

2001 (1. Januar) Aufnahme von Griechenland in die Währungsunion

2002 (1. Januar) Einführung von Euro-Bargeld

  Europapolitik in Großbritannien
1951 /1957 kein Beitritt

1960 (9. August) Erstes Beitrittsgesuch Großbritanniens unter dem konservativen Premier Harold Macmillan. Die Beitrittsverhandlungen wurden am 29. Januar 1963 nach einem Veto des französischen Staatspräsidenten De Gaulle abgebrochen

1967 (10. Mai) Zweites Beitrittgesuch Großbritanniens unter dem Labour-Premier Harold Wilson. Nach einem erneuten Veto De Gaulles konnte man sich am 19.12. 1967 nicht über den Beginn von Beitrittsverhandlungen einigen.

1973 (1. Januar) Beitritt Großbritanniens unter dem konservativen Premier Edward Heath, nachdem die Beitrittsverhandlungen 1970 erneut aufgenommen worden waren.

1981-1984 Europafeindliche Rhetorik und Budgetstreit (Thatcher: "I want my money back"). Der Budgetstreit wurde mit der Einigung Fontainebleau beigelegt, mit der Großbritannien von der EG eine Rückzahlung von 66 Prozent der Differenz zwischen seinem EG-Beitrag und den EG-Leistungen an das Vereinigte Königreich garantiert wird.

1987 Zustimmung der Regierung Thatcher zur EEA und zum Binnenmarkt

1990 (8. Oktober) Beitritt der Regierung Thatcher zum EWS, unter anderem auf Drängen des damaligen Schatzkanzler John Major

1992 (16. September) Ausscheiden Großbritanniens aus dem EWS unter Premier Major nach Währungsturbulenzen ("Black Wednesday")

1992 Zustimmung der Regierung Major zum Maastrichter Vertrag, Opt-Out bei der Währungsunion und der Sozialcharta

1997 Unterzeichnung des Amsterdamer Vertrags durch frisch gewählte Regierung Blair

2000 Unterzeichnung des Vertrags von Nizza durch die Regierung Blair (wurde im Unterhaus mit 592 zu 158 im Oktober 2001 angenommen, Bericht des Oberhauses und Hinterlegung der Ratifikationsurkunde stehen aber noch aus)

  Europapolitische Grundpositionen in Großbritannien (stark vereinfacht)
 
"Linke" (z. B. sozialdemokratische) Integrationsbefürworter
  • Integration ermöglicht eine Kompensation der auf nationaler Ebene verlorenen staatlichen Steuerungskapazitäten auf europäischer Ebene
  • Nur eine konstruktive Beteiligung am Integrationsprozess sichert den nationalen Einfluss bei den unvermeidlichen Integrationsmaßnahmen
  • Integration sichert Frieden
"Linke" (z. B. sozialistische) Integrationsgegner
  • Integration steht nationalen Maßnahmen der Nachfragesteuerung und der aktiven Sozialpolitik entgegen
  • Die EU droht zu einer international interventionistischen Militärmacht zu werden
"Rechte" (z. B. liberale) Integrationsbefürworter
  • Integration führt zu offenen Märkten, verbessertem Wettbewerb
  • Nur eine konstruktive Beteiligung am Integrationsprozess sichert den nationalen Einfluss bei den unvermeidlichen Integrationsmaßnahmen
  • Integration sichert Bürgerrechte auf europäischer Ebene
  • Integration sichert Frieden
"Rechte" (z. B. konservative) Integrationsgegner
  • Integration führt zu Brüsseler Sozialismus
  • Integration steht nationaler Souveränität entgegen
  • Integration steht "Special Relationship" zu USA entgegen, kontinentaleuropäische Integration widerspricht damit der angelsächsischen Kultur

Wichtige Kernpunkte britischer Europapolitik

Wichtige Kernpunkte deutscher Europapolitik