Ruhr-Universität Bochum
Fakultät für Sozialwissenschaft
Vertiefungsseminar: Lernen in Organisationen
Ergebnisprotokoll der Sitzung vom 20. 12. 1999
Thema der Sitzung: Entwicklung eines Rasters für einen Fragebogen
Zu Beginn der Sitzung wurde diskutiert, ob die in der letzten Sitzung von den Veranstaltern vorgeschlagenen Kategorien zu Organisationsformen und Lernformen (siehe Protokoll der Sitzung vom 14. 12. 1999) tragfähig sind. Bei grundsätzlicher konsensualer Zustimmung zu dem Schema als Grundlage für einen Fragenkatalog wurden folgende Klärungen/Ergänzungen beschlossen:
Als Ergänzung des Konzepts soll der Aspekt möglicher Blockaden gegen Lernen aufgenommen werden.
Teilbereich C (Durchsetzung neuer Ideen) soll sich auf die Strategie bei der Durchsetzung beziehen, die Umsetzung bei der Einführung neuer EDV soll in den Bereich "Anreize zum Lernen" integriert werden.
Die Existenz möglicher Anreize für Organisationsmitglieder soll bei den Interviews nicht unbedingt direkt erfragt werden, sondern über indirekte Fragen (z. B. "Warum wurden neue EDV-Systeme abgelehnt/unterstützt?") erhoben werden.
Im Anschluss an diese Klarstellungen wurde der Rahmen für den Interviewleitfaden erarbeitet (siehe dazu beiliegende Datei "leitfad2.doc"). Die dort aufgeführten Fragen sollen in den Interviews nicht schematisch heruntergefragt werden. Sie dienen vielmehr zwei Zwecken:
der Kontrolle, ob auch alle wichtigen Aspekte in dem Interview angesprochen worden sind,
als Strukturierungshilfe für die Niederschrift der Interviewergebnisse.
Um eine umfassende Auswertung der Interviews zu ermöglichen, wurde beschlossen, dass zu Beginn aller Interviews darum zu bitten ist, ein Diktiergerät benutzen zu dürfen. Außerdem ist den Interviewpartnern vollständige Vertraulichkeit zuzusichern, und sie sind darüber zu informieren, dass kein Interesse an personenbezogenen Daten besteht. In den Organisationen sollen jeweils ca. fünf Personen oder mehr befragt werden. Sinnvoll ist es, zunächst Personen mit leitender Funktion zu befragen. Anschließend sollen Vertreter aller "Fraktionen" befragt werden, d .h. sofern vorhanden sowohl Befürworter als auch Gegner der jeweils vorgeschlagenen neuen EDV.
Folgende Ergänzungen und Erläuterungen zum beiliegenden Leitfaden wurden diskutiert:
Die allgemeinen Fragen zur Organisation dienen nicht nur statistischen Zwecken. Vielmehr sollte spätestens in diesem Abschnitt auch eine Klarstellung darüber erfolgen, welches eigentlich die zu untersuchende Organisation sein soll. Hierbei sollten die drei Kriterien spezifische Zielorientierung, geregelte Arbeitsteilung und beständige Grenzen beachtet werden. Das Kriterium der beständigen Grenzen setzt unabhängige Arbeitsabläufe voraus. Abteilungen von Großorganisationen sind nicht als eigene Organisationen zu sehen, wenn sie nur Querschnittsdienstleistungen erbringen.
Die Fragen zum Interviewpartner sollen vor allem dazu dienen, dessen formale Position im Unternehmen zu klären.
Bei den Fragen zum organisationalen Lernen ist darauf hinzuweisen, dass bei der Durchführung der Interviews flexibel vorgegangen werden muss. In Abhängigkeit von den jeweiligen Antworten der Interviewpartner müssen entweder Folgefragen formuliert werden, oder es kann direkt zum nächsten Punkt übergegangen werden.
Die Fragen nach dem Ursprung der EDV-Systeme dienen unter anderem zur Klärung, ob die Ideen vom Vorstand, von einer Projektgruppe, von einer Abteilung oder einzelnen Organisationsmitgliedern stammten.
Die Fragen noch mögliche Blockaden sollen unter anderem potentielle Veto-Spieler aufspüren. Dabei wird entsprechend dem politikwissenschaftlichen Veto-Spieler-Theorem (George Tsebelis) vermutet, dass Innovationen dann besonders schwierig sind, wenn (1) viele Veto-Spieler existieren (Veto-Spieler sind Akteure, deren Zustimmung formal gefordert ist, um eine Innovation durchzusetzen), sich (2) die Präferenzen der Veto-Spieler wesentlich unterscheiden und (3) die zumeist korporativen Vetospieler intern homogen sind.
Während der fünfte Fragenbereich auf strukturelle Voraussetzungen für Lernprozesse in der Organisation zielt, soll der sechste Fragenbereich mögliche erfolgreiche und weniger erfolgreiche Strategien zur Durchsetzung innovativer Ideen identifizieren helfen. Hier ist zum Beispiel zu thematisieren, ob Unternehmensberater als Legitimationshilfen genutzt wurden, ob Projektgruppen eingeführt wurden und ob es Schulungen der Organisationsmitglieder gegeben hat.
Als letzter Themenkomplex sollte in jedem Interview die persönliche Perspektive des Interviewten erfragt werden. Dieser sollte nicht nur seine eigene Position nennen, sondern auch Einschätzungen zu der Position anderer Organisationsmitglieder bzw. Abteilungen geben.
Für das Protokoll: Nils Bandelow